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Zertifizierung der Handlungskompetenz

IT-Fachkarriere für Mitarbeiter jeder Unternehmensgröße

Zertifizierung der Handlungskompetenz

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien verläuft rasant und die „Halbwertzeit“ des in Ausbildung, im Studium oder in Umschulungen erworbenen Wissens wird immer kürzer. Parallel dazu werden für IT-Mitarbeiter fachübergreifende Fähigkeiten wie Projektmanagement oder interkulturelle Teamarbeit zunehmend wichtiger.

Deshalb haben im Jahre 2002 die Vertreter der Sozialpartner der IT-Industrie, des BITKOM, des Zentralverbandes Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI), der IG Metall und Ver.di sowie der Fraunhofer Gesellschaft und der Gesellschaft für Informatik (GI) ein Karrieresystem mit 29 IT-Spezialistenprofilen entwickelt. Jedes Profil ist durch die Beschreibung der jeweils spezifischen Arbeitsprozesse und Kompetenzfelder definiert. Die IT-Spezialisten bieten sowohl den Absolventen der IT-Berufe und IT-Studiengänge als auch den Seiteneinsteigern ohne einschlägigen Abschluss eine systematische Karrieremöglichkeit. Die Voraussetzung für eine Teilnahme ist demnach entweder ein Berufsabschluss im IT-Bereich, eine fachfremde Ausbildung kombiniert mit mindestens einem Jahr IT-Berufserfahrung oder mindestens vier Jahre Berufserfahrung. Zuständig für die Zertifizierung der IT-Spezialisten ist die Cert-IT GmbH, die Anfang 2003 von den Entwicklern des Systems gegründet wurde.

Nicht das Produkt wird zertifiziert, sondern die Handlungskompetenz von Personen
Die Personalzertifizierung geht einen völlig neuen Weg der beruflichen Weiterbildung und Prüfung. Es werden nicht wie bei herkömmlichen Produktzertifizierungen reine Produktkenntnisse erworben und geprüft, sondern produktneutrale Handlungskompetenzen, wie sie für konkrete Prozesse und Projekte im IT-Bereich benötigt werden. Dies geschieht nach dem Weltstandard ISO 17024 sowie einheitlichen fachlichen Regeln der IT-Industrie.

Entscheidet sich ein Mitarbeiter für die Personalzertifizierung, so lernt er direkt und eigenständig in einem realen Projekt an seinem Arbeitsplatz. Parallel dazu dokumentiert er die Durchführung seines Projekts nach genauen Anforderungen. Die Schablone für das Projekt ist der Referenzprozess, den es für alle 29 Spezialistenprofile gibt. Während der gesamten Projektlaufzeit wird der Mitarbeiter von einem fachlichen Berater, zum Beispiel einem erfahrenen Kollegen, sowie einem Lernprozessbegleiter unterstützt. Der Lernprozessbegleiter analysiert mit dem Kandidaten die Ausgangssituation und führt mit ihm regelmäßige Reflexionsgespräche zum Aufzeigen des persönlichen Lernertrags. Zusammen werten sie die Projektentwicklung kritisch aus. Spätestens zwei Jahre nach Projektstart absolviert der Kandidat die Abschlussprüfung. Hierzu muss er die prozessbegleitende Dokumentation der Cert-IT vorlegen, eine Präsentation zu dem Projekt halten und ein Fachgespräch mit dem Prüfer führen.

Nicht nur der Mitarbeiter profitiert, sondern auch der Chef
Neben der besonders hohen Effizienz bietet diese Methode gegenüber den gängigen Qualifizierungen weitere Vorteile, vor allem auch für kleinere Unternehmen: „An dem System der Personalzertifizierung durch die Cert-IT gefällt mir, dass die Qualifizierung und Zertifizierung direkt am Arbeitsplatz stattfindet“, so Günter See, Geschäftsführer der EPOS CAT GmbH. „Bei einem Unternehmen unserer Größe ist es nicht so einfach, dass die Arbeit des einen IT-Mitarbeiters über einen längeren Zeitraum hinweg von den anderen Kollegen aufgefangen wird.“ Darüber hinaus hat er schon die Erfahrung gemacht, dass sich nach einer teuren Schulung die Arbeitsprozesse nicht unbedingt verbesserten. „Ich halte Produktzertifizierungen nach wie vor für wichtig, Mitarbeiter sollen ja mit den eingesetzten Systemen zurechtkommen. Allerdings lernen sie dort nicht unbedingt, wie sie Projekte stringent von der Planung über die Durchführung bis hin zu einer sauberen Dokumentation selbständig durchführen. Aus diesem Grund werde ich auch künftig Mitarbeitern die Personalzertifizierung ermöglichen.“ Der Spezialist für Computer Aided Testing mit 85 Mitarbeitern in Ingolstadt beschäftigt bereits drei zertifizierte Mitarbeiter.


Verbindung zu anderen Zertifizierungssystemen
Um einen länder- bzw. standortübergreifenden Abschluss zu garantieren, wird das Zertifizierungsverfahren durch die internationale Norm der Personalzertifizierung DIN EN ISO/IEC 17024 bestimmt und unterliegt den fachlichen Standards der IT-Industrie. Auch eine Kombination beispielsweise mit dem ITIL, dem im Auftrag der britischen Regierung entwickelten Leitfaden IT Infrastructure Library, ist möglich. Während ITIL vorrangig die Architektur zur Etablierung und zum Betrieb von IT Service Management beschreibt, bietet das IT-Karrieresystem mit seinen Spezialisten die zur Durchführung von IT-Dienstleistungen erforderlichen Rollenbeschreibungen.

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