Vom Instandhaltungstool zum umfassenden Managementansatz
TPM als Produktionssystem
Heute bezeichnet man TPM als ‚Total Productive Manufacturing’ oder ‘Total Productive Management’. Die acht Säulen von TPM umfassen neben den verschiedenen Instandhaltungsstufen und der kontinuierlichen Verbesserung mit Kobetsu-KAIZEN auch die Bereiche Mitarbeiterschulung, Umweltschutz und Sicherheit sowie die Büroeffizienz. Der neue Ansatz von TPM zielt auf das Erreichen einer ‚Operational Excellence’. Dadurch ergibt sich die Chance, Kostennachteile des Standorts Deutschland auszugleichen und Arbeitsplätze zu erhalten.
Nachdem einige Unternehmen als Pioniere gezeigt haben, was durch TPM erreicht werden kann, entdecken immer mehr Manager TPM als Instrument zur Steigerung der Produktivität.
TPM verfolgt das Ziel, Verluste und Verschwendung in allen Bereichen zu eliminieren und Anlagen, Mitarbeiter, Materialien und Energie effizient zu nutzen. Oft hört man die Aussage: ‚TPM wird bei uns seit Jahren eingesetzt’. In vielen Fällen ist mit dieser Aussage jedoch nur die ‚Autonome Instandhaltung’ gemeint und die riesigen Potenziale außerhalb dieses Bereiches werden nicht berücksichtigt. Hier findet gerade ein Wandel statt. Die Einspar- und Verbesserungspotenziale in der Fertigung sind bei vielen Unternehmen durch den langjährigen Einsatz von KVP-Methoden oftmals nahezu erschöpft. Immer mehr Unternehmen und Organisationen nehmen nun die Administration und den Service-Bereich unter die Lupe. Wichtig für den Erfolg ist die Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Themen Wertschöpfung und Verschwendung. Mit der Methode ‚Wertstromdesign’ lassen sich in Verwaltung und Dienstleistung die Prozesse genauso optimieren, wie das in der Produktion schon seit Jahren üblich ist. Als ganzheitliches System befasst sich der moderne TPM-Ansatz auch mit den Themen Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz. In diesen Bereichen wird ebenfalls das Ziel ‚Null’ angestrebt: Null Unfälle, Null Krankheitsfälle, Null Umweltbelastung.
Ein Beispiel aus der Praxis:
‚Motivierte Mitarbeiter in einem sicheren Umfeld sind die Voraussetzung, um wirtschaftlichen Erfolg zu haben’. So die Worte von Dr. Jörg Beuers, Vorstandsvorsitzender der Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt AG in Pforzheim anlässlich seines Fachvortrages im Rahmen des TPM-Forum 2004. Sein Unternehmen startete im März 2003 offiziell mit den KVP-Maßnahmen. Seither wurden in Produktion und Verwaltung zahlreiche Workshops durchgeführt, Verschwendung eliminiert und Standards geschaffen. Da die Tätigkeiten bei der Metallverarbeitung ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringen, legt die Geschäftsleitung großen Wert auf die Verbesserung der Arbeitssicherheit. Alle Vorkommnisse, auch kleinste Verletzungen, werden seither dokumentiert. Es stellte sich heraus, dass 68 % der Verletzungen die Hände betreffen. Die Mitarbeiter entwickelten ein Konzept, um die Hände besser zu schützen. Auch in anderen Bereichen wurden Maßnahmen zur Unfallvermeidung getroffen. Innerhalb eines Jahres ging die Gesamtzahl der Unfälle um ca. 50 % zurück und die Zahl der Handverletzungen reduzierte sich auf ein Drittel.
Für die erfolgreiche und nachhaltige Einführung von TPM ist es wichtig, dass die Unternehmensleitung einen Wandel in der Unternehmenskultur zulässt und TPM als umfassendes Produktionssystem versteht und fördert. Der jüngste Ansatz ist die Einbeziehung der Supply Chain in die TPM-Aktivitäten. Dieser Ansatz könnte sich zur neunten Säule von TPM entwickeln.
Die steigende Nachfrage und der Trend zum Einsatz von TPM in vielen Unternehmen gab den Impuls zur Gründung des Centre of Excellence for TPM (CETPM), das am 4. Februar 2005 an der Fachhochschule Ansbach eröffnet wird. Ziel des Excellence Centre ist die Verbreitung von TPM im Sinne von ‚Total Productive Manufacturing’ - also TPM als umfassendes Produktionssystem. Als zentraler Ansprechpartner für das Thema TPM im deutschsprachigen Raum wird sich das CETPM für Lehre und Forschung, Beratung, Weiterbildung und die Herausgabe von Publikationen zum Thema einsetzen. Die Organisation von Tagungen, Diskussionsforen etc. ist ebenfalls geplant. Eine Online Community wird als Plattform zur Information und zum Erfahrungsaustausch eingerichtet.
Das CETPM wird geleitet von Prof. Dr. Constantin May, Fachhochschule Ansbach. Für den Beirat konnten folgende TPM-Experten gewonnen werden: Peter Schimek, Eurocat-Beratungen Emmendingen und Michael Faber, KAIZEN Institute Bad Homburg.
Weitere Informationen unter www.cetpm.de.