Trainings sinnvoll gestalten
Interview mit Michéle Neuland
Michèle Neuland,
Geschäftsführerin
von Neuland & Partner
Welche Bedeutung hat Weiterbildung
aus Ihrer Sicht?
Michèle Neuland:
Sie sollte die Menschen
in ihrem Arbeitsalltag befähigen, die individuell anstehenden Aufgaben zu bewältigen.
Dabei ist es entscheidend, ganz nah an der Praxis der Mitarbeiter dran zu sein.
Welcher Aspekt ist dabei wichtiger: Was
wir lernen oder wie wir lernen?
Zum einen braucht es die richtigen Inhalte, die genau auf die Situation des Unternehmens und des Mitarbeiters zugeschnitten
sind. Das gilt es zu analysieren, um daraus inhaltliche Lösungen und Verfahren für Veränderungen zu entwickeln, die die Mitarbeiter in den Alltag transferieren können.
Wenn in diesem Prozess die Lernkulturen eines Mitarbeiters oder eines Unternehmens nicht berücksichtigt werden, scheitert jedoch das Unterfangen.
Aktuell ist als Reaktion auf das Buch „Die Weiterbildungslüge“ von Richard Gris eine Diskussion darüber entstanden, was Trainings überhaupt bringen. Wie stehen Sie dazu?
Ich muss gestehen, ich habe dieses Buch nicht gelesen. Die ganze Marketing-Maschinerie ist mir zu sehr auf bewusste Provokation ausgelegt – zumal die Kritik von jemandem stammt, der nicht mit seinem Namen dafür einstehen möchte. Wichtiger fände ich die Frage, wie ein Training sinnvoll gestaltet werden kann. Dabei sollten Unternehmen die unterschiedlichen Stakeholder – Geschäftsführung, Führungskräfte, Personalentwicklung, Mitarbeiter undTrainer – nicht außer Acht lassen. Sie alle tragen die Verantwortung dafür, dass eine Weiterbildungsmaßnahme gelingt. Was verstehen Sie noch unter guter Weiterbildung? Menschen entwickeln sich ständig weiter – ob bewusst oder unbewusst. Ein Seminar oder ein Entwicklungsprogramm entstehen aus der Idee, dem Lernen eine gewisse Priorität´einzuräumen. Hier bekommt das Individuum die Erlaubnis, innezuhalten und nachzudenken über das, was es tut, wie es dies tut und warum es dies tut. Dabei kann es sich Anregungen, Anstöße und Lösungen aneignen, die der individuellen Entwicklung förderlich sind. Dass dieser Prozess in diesem geschützten Rahmen nicht zu Ende ist, versteht sich von selbst. Er muss fortgeführt
werden und in den Alltag eingebettet sein.