Sportökonom – ein Berufsbild mit Zukunft!
Welchen Einfluss haben die näher rückende Weltmeisterschaft in Deutschland und die Entwicklung im Sportmarkt grundsätzlich auf den Arbeitsmarkt Sport? Welche Voraussetzungen, welche Ausbildungen sind nötig, um eine Position im gehobenen Management zu erreichen?
Dazu eine wissenschaftliche Einschätzung von Univ.-Prof. Dr. Frank Daumann vom Institut für Sportökonomie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Zur Notwendigkeit einer sportökonomischen Ausbildung
Die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland steht kurz vor der Tür. Dabei handelt es sich aber nicht mehr nur um ein großes Sportfest mit breiter Öffentlichkeitswirkung, sondern auch um eine Veranstaltung von weitreichender wirtschaftlicher Bedeutung. Bereits im Vorfeld sind positive Einkommens- und Beschäftigungseffekte zu konstatieren, und alleine durch die zusätzlichen Konsumausgaben der ausländischen WM-Besucher wird mit einer Erhöhung des BIP um rund 0,9 Mrd. Euro gerechnet. Eine Veranstaltung diesen Ausmaßes bedarf der Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, ist aber ohne eine weitergehende professionelle Organisation, Durchführung und Vermarktung nicht mehr auszurichten.
Dies ist nur ein Beispiel für den zunehmenden Bedeutungsaufschwung des Sports, sowohl gesellschaftlicher als auch wirtschaftlicher Art. Diese Entwicklung wird begleitet von einer zunehmenden Kommerzialisierung, Professionalisierung und Medialisierung des Sports. Offenbarten 1994 bereits 73 % der über 14-jährigen Deutschen ein allgemeines Interesse an Sport, so waren es 2000 bereits 89 %. Der Anteil des Sports am BIP in Deutschland betrug schon 1998 1,4 %. Steigende Ausgaben für Sportgüter lassen sich für nahezu alle Bereiche belegen. Beispielsweise werden die gesamtdeutschen Ausgaben für das Sportsponsoring für das laufende Jahr auf rund 2,1 Mrd. Euro geschätzt, während es 1985 in ausschließlich den alten Bundesländern gerade einmal 75 Mio. Euro waren.
Das steigende Interesse von Wirtschaft und Medien am Sport hält an, und die hieraus resultierende Verzahnung der Bereiche ist eine nicht zu verkennende Tatsache. Sicherlich können die daraus resultierenden Folgen für den „wahren“ Sport unterschiedlich beurteilt werden, aber der Einzug der ökonomischen Rationalität im Sport ist nicht zu leugnen. Monetäre Größen werden nicht nur im professionellen Sport, sondern auch im Freizeit- und Breitensport zum Steuerungsmechanismus der Entwicklungsprozesse. Hieraus resultieren neue Herausforderungen und Chancen für die im Sportbereich tätigen Unternehmen, zu deren Bewältigung sie qualifizierten sportökonomisch ausgebildeten Nachwuchs benötigen.
So ergeben sich mit der Kommerzialisierung, Professionalisierung und Medialisierung des Sports gute Perspektiven in mannigfaltigen Berufsfeldern mit sportökonomischem Bezug. Der Sportverbandsbereich ist bereits weitgehend professionalisiert, zahlreiche Ausgründungen von Vermarktungsgesellschaften sind zu beobachten. Auch die Profiabteilungen der Sportvereine sind als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb meist organisatorisch ausgegliedert. Zudem sind von Sportvereinen zusätzliche Beschäftigungspotentiale zu erwarten. So ist bereits jetzt bei vielen Vereinen eine Änderung im ideologischen Selbstverständnis auszumachen. Knappe Ressourcen und gestiegene Anforderungen der Mitglieder erfordern von den Vereinen eine Abkehr vom traditionellen Selbstverständnis hin zu einem nachfrageorientierten Dienstleistungsanbieter. Statt dem sportlichen Leistungsvergleich in kontrollierten Wettkampfsituationen stehen heute eher Gesundheit, Fitness, Spaß, Körperausdruck und Geselligkeit als Ausdruck des individuellen Lebensstils beim Sporttreiben im Vordergrund.
Die Nachfrager bevorzugen hierbei eine direkte Austauschbeziehung auf monetärer Basis. Die zunehmende Individualisierung führt ferner dazu, dass das gestiegene Einkommen und die verfügbare Zeit differenzierter für die Nachfrage nach Sport eingesetzt werden Dies hat Auswirkungen darauf, wie und wann sportliche Betätigung stattfindet, was sich in der zunehmenden Attraktivität kommerzieller Sportanbieter widerspiegelt. Auch dort steigt der Bedarf an qualifiziertem Management-Nachwuchs.
Mit der wachsenden Bedeutung des Sports als Programminhalt der Medien sowie als Sponsoringobjekt für Wirtschaftsunternehmen ergeben sich auch hier zahlreiche Positionen in den Bereichen Medien, Kommunikation und Marketing. Diese entstehen auf Seiten der Sportanbieter und der Unternehmen der Wirtschaft. Gerade auch in einer Zeit, in der der Konsum weniger Versorgungs- als vielmehr Erlebnismotive befriedigt, wird der Sport zum Unterhaltungsgut mit Eventcharakter, wobei sowohl leistungssportliche als auch breitensportliche Events zunehmend von privaten Geldgebern mit kommerziellen Interessen finanziert werden und die Durchführung professioneller Unterstützung bedarf. Zudem schafft das Wachstum der Unternehmen der Sport- und Freizeitindustrie Chancen für Sportökonomen bei Sportartikelherstellern. Aber auch die öffentliche Sportverwaltung ist an einer effektiven und effizienten Verwendung der eingesetzten Mittel interessiert und greift hierbei zunehmend auf moderne Management-Techniken zurück.
Mit einem sportökonomischen Studium werden die Voraussetzungen geschaffen, die erforderlich sind, um qualifizierten Nachwuchs für die neuen Tätigkeitsfelder in Führungs- und Verwaltungsfunktionen im Sportbereich auszubilden. Es werden die Fähigkeiten vermittelt, den ökonomisch so bedeutsamen Bereich des Sports eben mit dem ökonomischen Instrumentarium analysieren und darauf basierend Gestaltungsempfehlungen entwerfen zu können. Hierzu werden die Studenten mit Kompetenzen in wirtschaftlichem Denken, Managementtechniken und Kenntnissen sportbezogener Marktbesonderheiten ausgestattet. Somit sind kompetente Absolventen eines sportökonomischen Studiums prädestiniert, die skizzierten Berufschancen erfolgreich wahrzunehmen.
Ein neues Angebot des IST-Studieninstituts aus Düsseldorf und der Fachhochschule Schmalkalden ermöglicht es ab Oktober diesen Jahres auch Berufstätigen, sich das angesprochene nötige Wissen anzueignen: Mit der berufsbegleitenden Hochschulweiterbildung Sportökonom (FH). Dieses innovative wissenschaftliche Bildungsangebot deckt die speziellen Anforderungen des Arbeitsmarktes an leitende Mitarbeiter im Bereich Sport vollständig ab. Mit der Managementkompetenz, die dieses berufsqualifizierende Studium vermittelt, sind die Absolventen somit ideal auf eine spätere Tätigkeit als Manager in der Sportbranche vorbereitet.
Univ.-Prof. Dr. Frank Daumann
Sportökonomie
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Weiter Informationen zur Hochschulweiterbildung Sportökonom (FH) gibt es auf der Homepage www.ist.de oder telefonisch unter 0211-86668-0.