Der Konsument in der Krise - Dr. R. Wildner GfK Nürnberg
Das Verbraucherverhalten ist – noch – stabil.
Die Konjunkturerwartung des GfK Konsumklimas zeigt im Juni 2009 mit einem Indexwert von -22,6, verglichen mit +7,5 ein Jahr zuvor, zwar eine deutliche Eintrübung. Doch die Anschaffungsneigung ist mit einem Wert von 14,5 höher als vor einem Jahr (-23,7) und auch die Einkommenserwartung liegt mit einem Wert von -3,3 höher als vor Jahresfrist (-7,2). Insgesamt ist dann auch das Konsumklima, welches diese Parameter zusammenfasst, mit einem Wert von 2,6 gegenüber 4,3 vor einem Jahr nur wenig zurückgegangen. Auch das Kaufverhalten selbst zeigt sich bislang robust. Zwar ist der Umsatz mit täglichen Verbrauchsgütern, wie ihn die GfK Panel Services in ihrem 30.000er Haushaltspanel misst, im Mai 2009 um 2,3% zurückgegangen. Doch bereinigt man das um Kalender- und Preiseffekt, dann ergibt sich ein Plus von 3,2%. Krise sieht anders aus. Offensichtlich ist es so, dass der Verbraucher die Krise wie ein fernes Donnergrollen wahrnimmt. Man merkt, dass da etwas ist, hofft aber, dass es vorüber zieht, ohne dass man direkt betroffen wird. Es ist zu vermuten, dass dies so bleibt, solange die Arbeitslosenzahlen nicht deutlich steigen. Es gibt zwar Kurzarbeit, doch die Einkommenseinbußen sind meist erträglich und die zusätzliche Freizeit durchaus angenehm. Es gibt zwar immer mehr Firmen, die an der Pleite entlangschrammen. Opel, Arcandor und die Schaeffler-Gruppe sind nur einige spektakuläre Beispiele. Doch auch hier spannt der Staat derzeit Rettungsschirme auf. Wir wissen aber aus vergangenen Krisen, dass sich dies deutlich ändert, wenn die Arbeitslosigkeit steigt. Arbeitslosigkeit hat zwei Effekte: Zunächst einmal reduziert es das Einkommen der Arbeitslosen deutlich. Die Universität Bamberg hat mit den Daten des GfK-Haushaltspanels untersucht, wie sich das Einkaufsverhalten verändert, wenn von einem Haushalt der Hauptverdiener bzw. die Hauptverdienerin arbeitslos wird: Der Wert der gekauften Güter des täglichen Bedarfs geht um 10% zurück. Dabei kaufen diese Haushalte nicht weniger. Im Gegenteil: Weil Konsum in der Kantine durch Konsum zu Hause ersetzt wird, kaufen sie oft sogar mehr. Aber sie kaufen billiger. Sie kaufen zu 3% mehr bei Discountern und sie kaufen zu 12% mehr Handelsmarken. Arbeitslosigkeit hat aber noch eine zweite Konsequenz.